Menschen
Menschen sind wunderbare, eigentümliche Wesen. Jeden gibt es nur ein einziges Mal auf dieser Welt. Und trotzdem haben viele Angst, anders zu sein. Sie versuchen, normal zu wirken und bleiben doch einzigartig.
Menschen tragen viele Geschichten mit sich. Schöne, aber auch nicht so schöne. Sie gehen mit ihnen einkaufen, in Meetings und durch den Tag. Und oft merkt niemand, was da alles mitgeht.
Menschen lachen, obwohl sie traurig sind. Und manchmal weinen sie, obwohl sie glücklich sind.
Manchmal lachen und weinen sie gleichzeitig. Und wissen selbst nicht genau warum.
Menschen bemühen sich. Wirklich. Sie wollen gute Arbeit leisten. Gute Kolleg:innen, gute Führungskräfte sein. Und dann grätscht das Leben dazwischen.
Eine schlecht geschlafene Nacht. Müdigkeit. Stress. Zu viele Termine und zu wenig Pausen.
Plötzlich gelingt vieles nicht mehr so, wie sie es sich vorgenommen haben. Dabei haben sie sich doch bemüht. Wirklich.
Menschen sagen „Alles gut.“, obwohl gar nicht alles gut ist. Manchmal hoffen sie, dass niemand es merkt. Und manchmal hoffen sie genau das Gegenteil. Dass endlich jemand sagt „Erzähl doch mal. Wie geht es dir eigentlich wirklich?“
Menschen planen große Veränderungen für den nächsten Montag. Nächste Montage eignen sich hervorragend für Neuanfänge und Veränderungen. Aber nächster Montag ist immer sehr relativ. Man könnte das Prokrastination nennen. Vielleicht ist es aber einfach nur Hoffnung.
Menschen packen Koffer für einen Wochenendtrip, als würden sie eventuell spontan ein neues Leben beginnen. Man weiß ja nie.
Menschen stehen im Supermarkt vor zweiunddreißig Käsesorten und haben plötzlich das Gefühl, dass das Leben zu viel ist. Nicht wegen des Käses. Wegen allem.
Menschen schreiben Dinge auf To-do-Listen, die sie längst erledigt haben. Nur um sie anschließend mit einem zufriedenen Gefühl wieder durchzustreichen.
Menschen sagen in Meetings: „Ich habe nur eine kleine Ergänzung …“ Und halten anschließend einen TED-Talk.
Menschen lesen Horoskope und sagen danach „Ich glaube ja eigentlich nicht daran. Aber irgendwie passt es schon.“ Goldig.
Menschen entwickeln Leitbilder, Werte, Visionen. Und vergessen manchmal, dass ein ehrlich gemeintes „Hallo, wie geht es dir?“ der Anfang erstaunlich vieler guter Dinge ist.
Menschen können sich tagelang, wochenlang, monatelang oder sogar jahrelang über etwas grübeln oder ärgern, das ein dreiminütiges Gespräch vielleicht gelöst hätte.
Menschen können mutig und ängstlich sein. Großzügig und kleinlich. Chaotisch und strukturiert. Warmherzig und verletzlich. Nachdenklich und impulsiv. Und oft alles gleichzeitig.
Und genau das ist das Schöne an uns Menschen.
Dass wir selten eindeutig sind und voller Widersprüche leben. Dass wir fühlen, hoffen, zweifeln, scheitern und trotzdem jeden Morgen wieder aufstehen und alles wieder von vorne beginnt.
Und jeder von uns die Welt auf seine eigene Weise erlebt.
Gute Zusammenarbeit beginnt der Erkenntnis, dass andere Menschen nicht so sein müssen wie ich, sondern einfach so sein dürfen, wie sie sind. Wir können sie eh nicht ändern.
Ich plädiere deshalb dafür, dass wir einander mit etwas mehr Wohlwollen begegnen.
Allein schon, weil Wohlwollen so ein schönes Wort ist.