Problem gelöst

Mal angenommen, eine Mitarbeiterin kommt mit einem Problem zu ihrer Führungskraft. Die hört zunächst aufmerksam zu, erfasst sehr schnell, worum es geht, und hat auch schon sofort die passende Lösung.

Problem gelöst!

Normal, oder? Schließlich ist sie ja Führungskraft. Und sehr effizient ist es auch noch. Beide können sofort weiterarbeiten.

Es gibt allerdings einen Haken. Passiert das regelmäßig, könnte sich eine Gewohnheit einschleichen, die wahrscheinlich niemand so beabsichtigt hat. Bei der nächsten schwierigen Frage geht die Mitarbeiterin wieder zur Führungskraft und die übernimmt wieder das Denken.

Natürlich macht die Führungskraft ja nichts falsch. Und ihre Lösung kann sogar ganz hervorragend sein. Schließlich ist sie erfahren, kennt das Unternehmen und ist ja auch nicht ohne Grund in dieser Position.

Aber statt Zutrauen und eigenem Denken lernt die Mitarbeiterin: Wenn es schwierig wird, kennt meine Führungskraft die Antwort.

Dumm gelaufen. Und jetzt?

Anderen Menschen zu helfen finde ich grundsätzlich erstrebenswert. Das gilt natürlich auch für Führungskräfte, die ja qua Rolle auch helfen und unterstützen sollen. Die Lösung ist also nicht, nicht zu helfen.

Aber ich schlage in solchen Situationen einen kleinen Zwischenschritt vor. Bevor die Führungskraft hilft, versucht sie zunächst zu verstehen, was genau hier eigentlich gebraucht wird.

Denn manchmal braucht jemand tatsächlich eine Lösung und das Wissen und die Erfahrung der Führungskraft. Manchmal wäre Orientierung oder eine klar formulierte Erwartung das Richtige. Und mitunter muss die Führungskraft einfach eine Entscheidung treffen.

Aber genauso gut könnte die beste Hilfe darin bestehen, jemanden beim Denken zu unterstützen. Vielleicht mitzudenken und die Person dabei zu unterstützen, selbst eine Lösung und einen Weg zur Umsetzung zu finden.

Dann wäre es besser, noch etwas länger zuzuhören. Zu fragen, was schon versucht wurde, was funktioniert und welche Möglichkeiten die Person selbst sieht. Und die eigenen Gedanken nicht als Lösung anzubieten, sondern damit die Möglichkeiten zu erweitern.

Natürlich sollen Führungskräfte ihren Mitarbeitenden helfen, wenn sie gerade nicht weiterkommen.

Entscheidend dabei ist aber die Frage, welche Hilfe den Menschen in dieser Situation wieder handlungsfähiger macht.

Genau darum geht es für mich beim Führen mit Coachingkompetenz.

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Führen mit Coachingkompetenz