Einfach
Ich mag Einfachheit.
Und ich glaube, sie wird oft unterschätzt.
Ein gutes Gespräch zum Beispiel. Zwei Menschen sitzen sich gegenüber. Sie hören einander zu, denken gemeinsam nach und finden irgendwann einen neuen Gedanken oder eine Lösung. Von außen wirkt das oft erstaunlich unspektakulär. Fast einfach.
Aber manchmal steckt hinter dieser Einfachheit ein langer Weg.
Als ich vor mehr als 25 Jahren begann, Menschen als Coach zu begleiten, war ich während eines Gesprächs oft mehr mit mir selbst beschäftigt, als mir damals bewusst war.
Während mein Gegenüber sprach, überlegte ich schon, was ich als Nächstes fragen könnte. Welche Hypothese vielleicht hilfreich wäre. Welche Methode passen könnte. Ob ich etwas Wichtiges übersehe.
Ein Teil meiner Aufmerksamkeit war beim anderen Menschen. Ein anderer bei mir. Wenn ich heute daran zurückdenke, schäme ich mich fast ein wenig. Zum Glück ist das heute anders.
Natürlich sind die Methoden nicht verschwunden. Und ich habe auch nicht alles vergessen – hoffe ich zumindest –, was ich in den vergangenen 25 Jahren gelernt habe. Aber all das ist in den Hintergrund getreten.
Meine Aufmerksamkeit gehört heute dem Menschen.
Irgendwann habe ich verstanden, dass gute Gespräche davon leben, dass möglichst wenig zwischen zwei Menschen steht. Weniger Methoden, weniger Konzepte, weniger fertige Antworten. Und weniger von all dem, was unsere Aufmerksamkeit vom anderen Menschen wegzieht.
Das erinnert mich an die Einlinienzeichnungen von Pablo Picasso.
Mit einer einzigen, ununterbrochenen Linie zeichnete er Tiere, ohne den Stift abzusetzen. Die Zeichnungen wirken beinahe selbstverständlich. Fast so, als hätte sie jeder zeichnen können. Dabei steckt in jeder einzelnen Linie ein ganzes Künstlerleben.
Antoine de Saint-Exupéry hat einmal geschrieben:
Perfektion ist nicht dann erreicht, wenn man nichts mehr hinzufügen kann, sondern wenn man nichts mehr weglassen kann.
Auch diesen Gedanken mag ich sehr. Ich bin natürlich weit davon entfernt, in Gesprächen nach Perfektion zu streben, aber er drückt für mich etwas aus, das weit über Gespräche hinausgeht.
Vielleicht geht es gar nicht darum, immer mehr zu tun. Es geht darum, dass am Ende immer weniger zwischen uns und anderen Menschen steht. Bis wieder sichtbar wird, worum es von Anfang an ging.
Zwei Menschen.
Und ein Gespräch.